Anatomische und physiologische Besonderheiten bei Kindern

Auch wenn es immer so schön heißt, Kinder sind besonders in der Ersten Hilfe keine „Kleinen Erwachsenen“. Ihre Anatomie und Physiologie (physikalische und biochemische Funktionsweise des Körpers) unterscheiden sich in vielen Eigenschaften stark von denen eines Erwachsenen.

Puls und Blutdruck

So hat zum Beispiel ein Neugeborenes (bis zum 28. Tag, 3 kg) einen Puls (Herzfrequenz) von 120 – 160 Schlägen pro Minute, während bei Erwachsenen der Puls zwischen 60 und 80 Schlägen die Minute liegt und mehr als 100 Schläge pro Minute schon als beunruhigender Wert anzusehen sind.
Bei einem Säugling (bis Ende des 1. Lebensjahres, ca. 10 kg) liegt der Richtwert ungefähr bei 100-140 Schlägen pro Minute, bei Kleinkindern (1.-5. Lebensjahr, ca. 20 kg) bei 100-120 Schlägen pro Minute und bei Schulkindern (bis zum 14. Lebensjahr, ca. 50 kg) bei 80 – 100 Schlägen pro Minute.

Wenn der Puls umso größer ist, umso kleiner das Kind, verhält es sich logischerweise mit dem Blutdruck genau umgekehrt. Das Kinderherz ist wesentlich kleiner und schafft es bei Weitem nicht die Menge Blut in den Kreislauf zu befördern, wie es ein erwachsenes Herz tut. Das wird dann durch den höheren Puls ausgeglichen.
Während der Blutdruck eines gesunden Erwachsenen bei etwa 120/80 mmHg liegt, ist der Richtwert für Neugeborene 60/40 mmHg, für Säuglinge 80/30 mmHg, für Kleinkinder 90/60 mmHg und für Schulkinder 100/70 mmHg.

Atmung

Die Unterschiede in der Atmung leiten sich ähnlich ab wie die bei Blutdruck und Herzfrequenz. Da die kleine Lunge der Säuglinge und Kinder noch nicht in der Lage ist ein Atemzugvolumen (Menge an Luft pro Zug) eines Erwachsenen zu erreichen (500 – 1000 ml), gleicht der kleine Körper es mit einer höheren Atemfrequenz aus.
So haben Neugeborene und Säuglinge bei einer Atemfrequenz von 40 – 50 bzw. 30-40 Zügen pro Minute ein ungefähres Atemzugvolumen von 50 -100 ml. Kleinkinder und Schulkinder können mit einer Atemfrequenz von 20-30 bzw. 15-20 Zügen die Minute ein Atemzugvolumen von 50 – 150 bzw. 200 – 500 ml erreichen.

Wichtig ist hierbei immer zu beachten, dass es sich nur um Richtwerte handelt. Genauso wie jeder Erwachsene ist auch jedes Kind anders. Klare Trennstriche zwischen den Entwicklungsstufen können auch nur schwer gezogen werden.


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