Impfen oder nicht?
Wer hat schon Freude daran, sein Kind impfen zu lassen. Vertrauensvoll folgen die Kleinen uns ins Behandlungszimmer, lachen mit uns über die Grimassen der Ärztin und dann so etwas. Aber die vorwurfsvollen Kinderblicke oder das verzweifelte Schreien ist es nicht, was manche Eltern zu einer Entscheidung gegen eine Impfung bewegt.
Eine Impfung bedeutet eine Injektion von abgeschwächten oder abgetöteten Krankheitserregern. Das Immunsystem reagiert auf den Impfstoff, indem es Abwehrstoffe bildet, wie es das bei natürlichen Krankheitserregern tun würde. Durch diese Antikörper kann der Körper dann schnell und wirksam gegen spätere natürliche Erreger vorgehen. Die Krankheit bricht so meist gar nicht aus oder verläuft harmlos. So sollen Impfungen schützen und sie tun es. Nicht nur den einzelnen. Gefährliche Krankheiten werden durch eine hohe Impfdichte ausgerottet, wie Pocken und Kinderlähmung in Europa.
Wenn sich Eltern aufgrund einer überhaupt erst durch Impfungen entstandenen Gesundheitssituation gegen Impfungen entscheiden, ist dies verantwortungslos. Durch verbreitete Impfmüdigkeit in der Bevölkerung können sich bereits besiegte Krankheiten erneut ausbreiten. In Deutschland herrscht keine Impfpflicht. Aber es sind nicht Krankheiten wie Diphtherie, Kinderlähmung und Tetanus, bei denen sich Eltern nur schwer zu einer Impfung durchringen können. Und also ist es nicht Verantwortungslosigkeit, nicht der leichtfertige Umgang mit selten gewordenen Krankheiten, der die Entscheidung für oder gegen Impfungen bestimmt. Angst vor Impfschäden vielmehr beunruhigen Eltern, wie die Entzündung des Gehirns bei einem von einer Million Kindern nach einer Masernimpfung. Aber das Risiko ist bei der natürlichen Erkrankung tausend mal höher.
Hier gilt es der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut in Berlin zu vertrauen. Sie hat die Aufgabe, Vor- und Nachteile abzuwägen und Empfehlungen auszusprechen. Nicht gerade gestärkt wird das Vertrauensverhältnis durch die Intransparenz der STIKO-Entscheidungen. Die Kommissionsmitglieder dürfen nicht öffentlich über die Kommissionssitzungen und stattfindende Kontroversen sprechen. Einblicke in den Beratungsverlauf aber würden die sachliche Auseinandersetzung mit Entscheidungen erleichtern. Denn weil viele STIKO-Mitglieder Beziehungen zur Pharmaindustrie pflegen, werden der Impfkommission häufig Interessenkonflikte vorgeworfen. Mehr Transparenz könnte hier Abhilfe und Vertrauen schaffen.
