Arbeit mit Kind

28 Texte soll ich bis Montag geschrieben haben, schreibt mein Chef mir heute. Heute ist Mittwoch. Oder zumindest, denn mein Arbeitgeber ist kulant, bis zum Montag darauf. Das sei aber der: worst case, schreibt mein Chef mit Ausrufezeichen, denn ganz so entgegenkommend darf ein Chef, will er als solcher ernst genommen werden, dann doch nicht sein. 28 Texte. Das müsste doch zu schaffen sein. 28 Texte und drei Kinder. Aber dass ich die drei habe, wusste ich ja schon vorher.

Laut dem Bundesamt für Statistik sind 88% der alleinerziehenden und 74% der in einem Paarhaushalt lebenden Mütter berufstätig. Ich bin also nicht allein. Im Vorstellungsgespräch hatte ich auf die Frage nach meinen Kindern entsprechend noch vollmundig getönt: "Ach die. Die sind ja gut betreut. In Krippe, Kindergarten und Schule." Zumindest zwischen 9.30 Uhr, da geht die letzte und 12.45 Uhr, da kommt der Erste. Das habe ich vielleicht nicht gesagt, stattdessen: "Auch nachmittags kann ich ab und zu arbeiten. Kinder beschäftigen sich doch manchmal ganz gerne allein. Und am Sandkasten habe ich häufig die besten Einfälle." Na dann, nichts wie hin zum Sandkasten. Denn jetzt haben meine Kinder Ferien. Erst zwei Wochen der Kleinste, im Anschluss drei Wochen die Mittlere und der Große durchgehend. Aber der muss Verständnis haben. Urlaub? Dafür verdiene ich deutlich zu wenig. Ausflüge? Dafür habe ich noch zu viel zu tun. Und sind die langen Ferien nicht ursprünglich erfunden worden, damit Kinder ihren Eltern bei der Feldarbeit zur Hand gehen können?


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