Bachelor mit Kind
Studierende mit Kind könnten sich eigentlich fühlen wie im Schlaraffenland. An vielen deutschen Universitäten und Fachhochschulen ist das Mensaessen für Kinder von StudentInnen kostenlos. Das Wohnen in studentischen Familienwohnanlagen ist häufig nicht nur billig, sonder kinderparadiesisch. Studiengebühren entfallen. Es gibt BAföG-Zuschläge, Wohngeld oder Kinderzuschläge vom Arbeitsamt. Es gibt Jugendhilfeleistungen zur Finanzierung der Kinderbetreuung. Und an Kindertagesstätten mangelt es zumindest nicht überall. Das Leben als StudentIn mit Kind könnte sich anfühlen wie das im Schlaraffenland, wäre da nicht das Studium.
Scheine fliegen nicht in den geöffneten Mund. Das taten sie wohl nie. Aber wo noch vor kurzem in vielen Studiengängen der große und für Eltern so wichtige Vorteil Flexibilität herauszustreichen war, steht jetzt der Bachelor. Verschultes Lernen ist nicht kinderfreundlich. Pflichtveranstaltungen, starre Module, aufeinander aufbauende Veranstaltungsreihen passen nicht zu Windpocken oder Wochenbett, Kindergartenbrückentagen oder Stillpausen. Sie passen nicht zu dem schlichten Wunsch nach mehr Zeit mit dem eigenen Kind. Das Leben mit Kindern ist langsam. Der Bachelor will genau das nicht sein.
Das macht das Studieren mit Kind nicht unmöglich. Mit der richtigen Organisation, Verzicht auf Perfektionismus und kulanten DozentInnen ist es, naja, vor allem wie fast jedes Leben mit kleinen Kindern. Wenn man sich damit abfindet, keine Freizeit zu haben: nicht gerade wie im Schlaraffenland, aber wunderschön.
