Der Geburtsvorgang
Jede Geburt ist einzigartig. Hebammen berichten das, ebenso wie Frauen, die selbst viele Kinder geboren haben. Und doch muss von jeder Frau bei jeder natürlichen Geburt der gleiche Prozess durchlebt werden, von der Eröffnung über die Austreibungsphase bis hin zur Nachgeburt.
Die Eröffnungsphase
Die Geburt beginnt mit der Eröffnungsphase. Durch Kontraktionen wird der Gebärmutterhals gedehnt und der Gebärmuttermund geöffnet. Dies dauert bei Erstgebärenden meist zwölf bis vierzehn Stunden, bei weiteren Geburten bis zu sieben Stunden. Die Eröffnungsphase lässt sich nochmals untergliedern in die Anfangs- oder Latenzperiode, die aktive Phase und die Übergangsphase. In der Anfangsphase wird der Muttermund durch Wehen zunächst nur weicher. Dies ist für viele Frauen eine schöne Zeit. Nach den Wochen des Wartens beginnt nun endlich die Geburt. Die Wehen kehren regelmäßig wider, anfangs alle 10 bis 20 Minuten, und steigern sich behutsam in Rhythmus, Intensität und Dauer. Die Beschwerden sind mit Regelschmerzen sehr vergleichbar und nur selten einschränkend. Gleichzeitig nimmt diese Phase mit etwa acht Stunden (bei Erstgebärenden) einen Großteil des Geburtsprozesses ein.
Ist der Muttermund 3 cm geöffnet, beginnt die aktive Eröffnungsphase, in der sich der Muttermund auf 8 cm weitet. Diese Phase dauert meist zwischen 3 und 5 Stunden. Die Abstände zwischen den Wehen werden kürzer, etwa 2 bis 4 Minuten. Die Wehen dauern länger, zwischen 40 und 60 Sekunden, und werden schmerzhafter. Die eigentliche Geburtsarbeit beginnt. Frauen können jetzt auf Atem- und Entspannungstechniken aus ihrem Geburtsvorbereitungskurs zurückgreifen oder ihren eigenen Weg finden aktiv mit den Wehen umzugehen. Wer nicht zu Hause entbindet, muss sich außerdem auf den Weg zu seinem Geburtsort machen.
Die endgültige Erweiterung des Muttermundes in der Übergangsphase ist besonders intensiv, aber auch besonders kurz, meist keine Stunde lang. Allerdings dauern jetzt die Wehen durchschnittlich ein bis eineinhalb Minuten und die Pausen bieten zum Ende hin kaum Zeit, sich zu erholen. Die Schmerzen können mancher Frau nun unerträglich erscheinen. Bei der Geburt meines zweiten Kindes war ich, ganz ehrlich, der Überzeugung diese Schmerzen nicht überleben zu können. Allerdings dauerte dieses Gefühl nur die Höhepunkte dreier Wehen lang. Auch bei einer Wehe von eineinhalb Minuten ist der Schmerzhöhepunkt nur kurz und kaum einen Gedanken lang.
Die Austreibungsphase
Die Austreibungsphase, die eigentliche Entbindung bringt neue Empfindungen mit sich. Der Muttermund ist vollständig geöffnet, der Kopf des Babys drückt auf den Beckenboden und das Rektum, was meistens einen starken Pressdrang hervorruft. Mit den Presswehen wird das Baby durch den Geburtskanal bewegt. Bei meiner zweiten Geburt habe ich diese Phase als starke Erleichterung nach den starken Schmerzen empfunden. Bei der Geburt meines dritten Kindes, in dessen Verlauf ich mich sehr erfolgreich auf den Umgang mit dem Wehenschmerz konzentriert hatte, gelang es mir hingegen nur kaum mich zum Pressen zu aktivieren. Durch eine aufrechte Position wird die Gebärende hier durch die Schwerkraft unterstützt. Schließlich zeigt sich das Baby. Zunächst durch ein Vorwölben von Anus und Damm, dann in der Vaginalöffnung. Wenn die Scheidenöffnung sich zu weiten beginnt, was häufig mit einem kurzen stechenden Schmerz einhergeht, sollte der Geburtsvorgang verlangsamt werden, um den Damm zu schützen. Allein die Kontraktionen treiben das Kind nun heraus, zunächst den Kopf und mit den beiden nächsten Wehen die Schultern. Damit gleitet das Baby ganz heraus und in Ihre Arme.
Die Nachgeburtsphase
Nach der Geburt des Kindes beginnen nach etwa 15 Minuten erneut schwache Wehen, damit Plazenta und Eihäute ausgestoßen werden. Dies dauert etwa 10 bis 20 Minuten und ist kaum mit Schmerzen verbunden. Nach der Entbindung des eigenen Kindes schenkt selten eine Frau diesem Vorgang stärkere Beachtung. Aber warten Sie es ab. Jede Geburt ist einzigartig.
