Ungewollte Kinderlosigkeit
Jede siebte Partnerschaft in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Als unfruchtbar gilt ein Paar nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation, wenn sich trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr ohne Verhütungsmittel innerhalb von zwei Jahren keine Schwangerschaft einstellt. Die Gründe hierfür sind vielfältig und betreffen Frauen und Männer gleichermaßen. Sehr unterschiedliche Faktoren, wie z.B. Alter und Lebensführung beeinflussen die Fruchtbarkeit eines Menschen. Häufig liegen aber auch klar bestimmbare medizinische Ursachen, nämlich körperliche Fehlfunktionen einer Kinderlosigkeit zugrunde. Im Falle der Männer betrifft dies meist die Produktion der Spermien.
Männliche Unfruchtbarkeit
Beim Geschlechtsverkehr mit einem gesunden Mann gelangen mindestens 40 Millionen Spermien pro Ejakulat in den weiblichen Körper. Durch Bewegungen der Gebärmutter werden diese durch den Gebärmutterhals und weiter bis hinein in den Eileiter transportiert. Von diesen vielen Millionen Spermien gelangen so letztlich weniger als Tausend zur Eizelle. Zur Befruchtung der Eizelle ist nun die Eigenbeweglichkeit des Spermiums gefragt. Durchschnittlich 50% der Spermien sind dafür beweglich genug, aber nur 10% aller Spermien haben auch bei einem normal fruchtbaren Mann keinerlei Defekte. Ein Ejakulat mit 40 Millionen Spermien ist also häufig durchaus nötig, damit letztlich ein Spermium in die weibliche Eizelle eindringen und neues Leben entstehen kann. Männliche Unfruchtbarkeit ist oft auf eine niedrige Spermienquantität oder auch -qualität, also Beweglichkeit, Reife etc. zurückzuführen. Eine einfache Spermaprobe genügt so häufig, um die Gründe einer Unfruchtbarkeit zu ermitteln.
Weibliche Unfruchtbarkeit
Der weibliche Körper muss hingegen genauer auf Fruchtbarkeitsstörungen untersucht werden. Sowohl die Eierstöcke, als auch die Eileiter und die Gebärmutter werden dafür kontrolliert. Häufig sind verklebte Eileiter Grund für ungewollte Kinderlosigkeit, mögliche Ursachen sind aber auch Zysten und Wucherungen in den Eierstöcken und der Gebärmutter. Außerdem können sich hormonelle Störungen auf die Reifung der Eibläschen oder den Eisprung und damit die Fruchtbarkeit auswirken. Durch eine Hormonbestimmung lässt sich dies abklären.
Künstliche Befruchtung
Die Behandlungsmethoden sind bei Unfruchtbarkeit ähnlich vielfältig wie die Ursachen. Auf bakterielle Infektionen kann mit Antibiotika reagiert werden, durch mikrochirurgische Operationen kann z.B. die Durchlässigkeit des Eileiters wieder gewonnen werden. Und den Paaren, bei denen auch mit ärztlicher Hilfe eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege unwahrscheinlich bleibt, bietet neben der Adoption die künstliche Befruchtung die Möglichkeit sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. So gibt es die Möglichkeit des Einspritzens von einzelnen Spermien in Eizellen (intra-cytopolasmatische Spermieninjektion) oder der Befruchtung im Reagenzglas (In-vitro-Fertilisation). Etwa jedes hundertste Neugeborene in Deutschland entsteht aus einer solchen Befruchtung außerhalb des Körpers. Allerdings übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen seit 2004 nur noch 50% der Kosten und für höchstens drei Behandlungszyklen. Zu den physischen und psychischen Belastungen durch eine solche Behandlung treten seit der Gesundheitsreform also auch finanzielle. Und so bleiben viele Paare ungewollt kinderlos und Deutschland kinderarm.
