Schwangerschaftsvorsorge

Ich pinkle in einen Becher. Denn schon wieder sind vier Wochen vergangen. Nichts gibt meiner Schwangerschaft so viel Struktur wie die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Und Sicherheit spenden die Untersuchungen wohl auch.

Der Urin im Becher wird untersucht nach Eiweiß, Zucker, Nitrit und Blut. Eiweiß findet sich in meinem Urin, was in Verbindung mit erhöhtem Blutdruck Grund zu weiteren Untersuchungen wäre. So aber nicht. Zuckerausscheidungen können ein Hinweis auf eine Zuckerkrankheit sein. Nitrit weist auf eine bakterielle Infektion hin. Und der wiederholte Nachweis von Blut im Urin sollte auf seine Ursachen hin untersucht werden.

Mit meinem Urin bin ich großzügig. Mein Blut hingegen gebe ich nur ungern. Selbst den kleinen Piks ins Ohr kann ich nicht leiden. Außerdem kenne ich das Ergebnis. Mein Blutfarbstoffwert (Hämoglobin-Wert) ist immer erniedrigt. Der Grund liegt auf der Hand. Ich bin Vegetarierin. Ich leide unter Eisenmangel. Ich kriege Eisenpräparate verschrieben und bedanke mich artig.

Aber mit dem Tropfen Ohrenblut gibt sich hier selten jemand zufrieden. Das mütterliche Blut liefert in der Schwangerschaft allzu wichtige Informationen. Frauen, die Rhesus-negativ sind, z.B. benötigen Rhesusprophylaxen, um keine Antikörper gegen ihre Rhesus-positiven Kinder zu entwickeln. Auch andere Reaktionen des mütterlichen Abwehrsystems gegen das Ungeborene können durch Blutuntersuchungen, nämlich den Antikörper-Suchtest aufgedeckt werden. Außerdem wird die Immunität gegen Röteln (auf Wunsch auch gegen Toxoplasmose) überprüft und ein HIV-Test durchgeführt.

Das regelmäßige Blutdruckmessen (starke Veränderungen des Blutdrucks sind in der Schwangerschaft bedenklich) und der Gang auf die Waage sind weitere feste Bestandteile der Vorsorgeuntersuchungen. Am Ende taumle ich erschöpft in das Untersuchungszimmer und lasse mich in den Untersuchungsstuhl sinken. Hier wird zu Beginn der Schwangerschaft ein Abstrich aus dem Gebärmutterhals genommen, um eine Chlamydieninfektion auszuschließen, die unbehandelt zu Fehl- und Frühgeburten führen kann. Die Ärztin ertastet die Größe der Gebärmutter und manchmal, nämlich dreimal in der Schwangerschaft, wenn nicht anders gewünscht und bezahlt, eröffnet ein Ultraschall Einblick in mein Innerstes und ich schaue dem Kleinen ins Gesicht, während es vermissen wird. Und endlich fällt mir wieder ein an diesem Morgen, wofür all das Messen und Wiegen, Piksen und Prüfen: Seinetwegen gern.


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