Betreuung im Wochenbett
Zu beneiden sind deutsche Wöchnerinnen im Ländervergleich nicht. Nun werden deutsche Frauen nicht, wie noch Anfang der 50er Jahre üblich, gedrängt, um jeden Preis im Bett zu bleiben, was uns Thrombose ersparen mag. Aber wer kann sich darüber freuen bei Hausputz, Kochen und Kinderbetreuung. Die ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt braucht der Wöchnerinnenkörper mindestens, um das Ende der Schwangerschaft, die Geburt und die Wunden, die sie geschlagen hat, zu verarbeiten. Von der Umstellung auf das Neugeborene einmal abgesehen.
Kaum eine Frau in Deutschland wird in dieser Zeit so gut betreut, dass sie sich allein darauf konzentrieren könnte. Zu ausgedünnt sind die Familiennetze, zu entfernt die Nachbarn und die Freunde zu beschäftigt. In den Niederlanden wurde auf die gesellschaftliche Veränderung hin zur Isolierung der Einzelnen bereits reagiert, mit der Wochenbett-Hilfe, der kraamhulp. Sie kümmert sich um Mutter und Kind, Geschwisterkinder, den Haushalt und das Essen. In Deutschland können Frauen zumindest stundenweise auf Hebammen zurückgreifen, täglich bis zum 10. Lebenstag des Kindes, danach in größeren Abständen und bei Bedarf. Natürlich werden diese nicht den Haushalt übernehmen. Aber die körperliche Rückbildung der Frau und die Wundheilung werden begleitet. Bei Stillproblemen finden Frauen durch die Hebamme Unterstützung und eine Ansprechpartnerin für ihre Sorgen. Ansonsten sollten Frauen nicht davor zurückschrecken, Bekannte für ihre Unterstützung zu mobilisieren. Statt Pralinen können diese zum Babybesuch eine Suppe mitbringen und statt das Kind im Kinderwagen zu schieben den Müll zum Container tragen. Damit Wöchnerinnen alle Zeit haben, um ihre Kinder zu küssen.
