Trage- und Haltetechniken
Wieder einmal hat meine Nachbarin eine neue Erkenntnis, was den Umgang mit ihrem Kind betrifft. Sie ist auf eine neue Tragetechnik gestoßen. „Schau mal“, sagt sie. „Hast du dein Kind schon mal so getragen. Das habe ich gerade bei einer Freundin gesehen.“ Und demonstrativ hält sie ihr 8-Monate-altes Baby auf ihrer Hüfte. Hm, also, ja, eigentlich schon. Darauf bin ich schon gekommen. Immerhin sind Babys dieses Alters groß und schwer. Wo soll man mit denen schon hin, wenn nicht auf die Hüfte.
Tragepositionen für ältere Babys
Ob nun aufgeregt, aber naiv forschend oder überlegen neunmalklug, Eltern können über das Babytragen noch was lernen. Während es bei Neugeborenen und Babys, die noch nicht sitzen können, das ein oder andere zu bedenken gibt, um den kleinen Körpern nicht zu schaden, geht es später eher darum dem elterlichen Rücken nicht zu schaden. Wichtig ist es hier, das Kind möglichst in der eigenen Körpermitte zu tragen. Das Tragen auf der Hüfte ermöglicht es, Kinder, die bereits sitzen können, mit nur einem Arm zu halten. Das ist im Alltag zwar häufig nötig, aber für den Elternkörper einseitig belastend. Die Hüfte wird leicht ein Stück herausgeschoben und eine Fehlhaltung entsteht. Vorzuziehen ist es, das Kind mit dem Rücken zum eigenen Bauch zu halten und mit dem rechten Arm über den Kinderbauch den Oberschenkel des angewinkelten linken Beines zu greifen oder eben andersherum. Zugegebenermaßen bietet diese Position wenig Entlastung für schwache Arme, sodass das Tragen auf der Hüfte allzu verlockend scheint. Eine bessere Alternative bieten dann aber Tragehilfen.
Tragepositionen für Neugeborene
Neugeborene sind so klein, dass sie leicht mit einem Arm zu tragen sind. Andererseits müssen sie noch so sehr gestützt werden, dass nur liegende Positionen einarmig möglich sind. Entweder das Baby wird mit einem Arm unter dem Bauch gestützt. Es liegt also auf dem Bauch, mit dem Kopf in der elterlichen Armbeuge und mit dem Po durch die elterliche Hand gehalten. Diese Position wird anschaulicher Weise Fliegergriff genannt und besonders bei Kindern empfohlen, die unter Blähungen leiden. Oder aber der Säugling wird auf dem Rücken liegend gehalten. Dann ebenfalls mit dem Köpfchen in der Armbeuge und mit dem Po auf der Hand der oder des Tragenden ruhend. Beide Griffe können durch den zweiten Arm unterstützt werden, was bei kleinen tragenden Personen und wachsendem Baby bald nötig wird. Zwei Arme braucht man bei aufrechten Tragepositionen von Anfang an, da Säuglinge ca. in den ersten acht Wochen ihren Kopf noch nicht halten können. In der typischen Bäuerchenposition ruht der kleine Kopf auf der Schulter der oder des Tragenden, während eine Hand den oberen Kinderrücken und eine Hand den unteren Kinderrücken stützt. Auch für ältere Kinder ist diese Position angenehm, wobei allmählich der obere Rücken entsprechend weniger gestützt werden muss.
Ob man nun versucht die geschriebenen Anleitungen in die Tat umzusetzen, ob man auf Photos oder andere Eltern schaut oder sich die Tragepositionen mithilfe des Babys selbst erfindet, viel falsch machen wird man nicht, wenn man die körperliche Entwicklung des Babys bedenkt und die Kräfte des eigenen Körpers berücksichtigt. Sich selbst sollte man gerade halten und einseitige Belastungen vermeiden. Der Entwicklung der Wirbelsäule des Babys trägt man Rechnung, indem man in der Anfangszeit das Babyköpfchen ausreichend stützt, bis sich die Halswirbel strecken und das Kleine sein Köpfchen selbst halten kann. Als Nächstes strecken sich die Brustwirbel, das Baby kann dann alleine sitzen. Bis dahin sollte der Rücken ausreichend gestützt werden und das Kind eben nicht in eine sitzende Position gebracht werden. Schließlich strecken sich die Lenden-Wirbel. Das Kind kann sein Gewicht nun auch aufrecht selbst tragen, es zieht sich zum Stehen hoch und macht seine ersten Schritte. Und obwohl Kinder noch weit später getragen werden können und häufig wollen, lockert das Kind mit seinen sicher werdenden Schritten bereits die Tragebeziehung. Schade eigentlich.
