Schöner wohnen
Wie mütterlich das eigene Heim ist, wie durch und durch von Kindern beherrscht, merkt man dann, wenn man in eine unberührt jungfräuliche Wohnung tritt.
Ich bin eingeladen zu Bekannten, um auf deren Neugeborenes anzustoßen. "Babypinkeln" nennt man das wohl mancherorts. Hier allerdings nicht. Der junge Vater ist stolz. Auf seinen neugeborenen Sohn, das ist anzunehmen. Deutlich sichtbar aber auf seine neue Wohnung. Marmorböden mit weißen Perserteppichinseln, große Grünpflanzen, offene Schrankwände mit beeindruckender Musikanlage, Platten-, CD- und Büchersammlung. "O, wie schön" sagen die Gäste. Ich hingegen denke daran, dass kein Kind auf diesem Boden wird liegen, rollen, robben oder krabbeln können, ohne sich zu erkälten. An den Teppichfusseln wird Kind sich verschlucken. Später wird es die Blumenerde auf dem Weiß des Persers verteilen und CDs, Platten und Bücher neu sortieren. Beim Laufenlernen wird es seine kleinen Knie auf dem harten Boden aufschlagen.
Ja, da spricht der Neid. Nicht dass ich mir gerade so eine Wohnung sehnlichst wünschen würde. Aber die Möglichkeit dazu … Nun, in dieser Wohnung lebt ab jetzt auch ein Kind. Für den jungen Vater bedeutet das ein Leben voller Freuden, nur die Freude am Weiß seines Teppichs gehört wohlmöglich nicht mehr dazu.
