Das Familienbett
Überzeugend ist das nicht. Während Erwachsene sich nachts aneinander kuscheln, liegen die allermeisten Babys in Deutschland von Geburt an alleine in ihrem Bettchen. Und das in einer ihnen noch fremden Welt und nach neun Monaten engsten mütterlichen Kontaktes. Überzeugend ist das wirklich nicht. Oder denken wir an die durch das Stillen unterbrochenen Nächte. Warum sollte Frau, um ihr Kind zu stillen, freiwillig mehrmals in der Nacht aufstehen, wenn sie es doch mit einer Armbewegung an sich ziehen könnte?
Viel spricht dafür, bei seinem Baby zu schlafen. Nähe, Wärme, Geborgenheit und selbst Bequemlichkeit. Doch bei aller Nähe und Wärme hängt die Gefahr des plötzlichen Kindstods wie ein Damoklesschwert über dem Familienbett. Niederländische ForscherInnen haben in einer Fall-Kontroll-Studie das gemeinsame Schlafen im Familienbett als Risikofaktor untersucht. 26% der Babys, die am Plötzlichen Kindstod verstorben waren, waren demnach im Elternbett gestorben. Nach diesen Ergebnissen haben Babys, die im Bett ihrer Eltern schlafen im Alter zwischen einem und zwei Monaten ein 9-fach erhöhtes Risiko am plötzliche Säuglingstod zu sterben. Mit zunehmendem Alter sinkt das Risiko. Nach zwei Monaten ist es noch 4-fach erhöht, nach drei Monaten noch 1,7-fach. Nach dem vierten Monat ist das gemeinsame Schlafen im Familienbett kein statistisch signifikanter Risikofaktor mehr.
Bis dahin sind die Zahlen allerdings eindrücklich und lassen verstehen, warum sich viele Eltern gegen das gemeinsame Schlafen mit dem Kind entscheiden. Nicht aber, warum viele gleichzeitig munter weiter rauchen. Denn Passivrauchen bleibt der Risikofaktor für den Plötzlichen Kindstod schlechthin. Ausreichende Luftzirkulation und die Vermeidung von Wärmestau können den Plötzlichen Kindstod verhindern helfen. Dies ist im Elternbett nicht immer gewährleistet. Ein Kinderbett direkt ans Elternbett geschoben, z.B. ein zur Elternseite hin offener, so genannter Babybalkon, bietet hier eine sinnvolle Alternative. Auch Hängewiegen lassen sich direkt neben oder über dem Elternbett befestigen und stellen Nähe her. Aber auch das Familienbett muss nicht aus Angst aufgegeben, sondern kann stattdessen perfektioniert werden. Es sollte groß genug und wie Kinderbetten auch nicht durch Decken und Kissen überfüllt sein. Ist sicher gestellt, dass das Baby weder unter Decken noch unter Geschwister- und Elternkörper geraten kann, kann das gemeinsame Schlafen genossen werden.
